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01.01.2010 -  Das PETCYCLE-System feiert Geburtstag


Getränkefachgroßhandel, Ausgabe 1 2010, Seiten 18, 19

Zehn Fragen zum zehnjährigen Jubiläum von Petcycle
Das Petcycle-System feierte kürzlich seinen 10. Geburtstag. 1999 gründete sich das Mehrweg-Poolkastensystem mit ökologischem Recycling für PET-Flaschen. Rund 90 in erster Linie mittelständische Mineralbrunnen nutzen heute das flächendeckende System, das eine Arbeitsplatzbedeutung von ca. 10 000 Beschäftigten hat. Zu weiteren Einzelheiten befragte der GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL Petcycle-Geschäftsführer Arnold Wolters. (eis)
GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL:
Herr Wolters, das Petcycle-System existiert nun seit zehn Jahren. Erläutern Sie kurz die wichtigsten Hintergründe für die damalige Gründung des Systems und den Stellenwert für die Mineralbrunnen und GFGH heute.

Arnold Wolters: Das Ziel war der Aufbau eines materialgerechten, ökologisch und ökonomisch sinnvollen Verpackungspoolsystems für PET-Flaschen.
Aus der Kombination der Vorteile des Mehrwegsystems und des Einwegsystems mit stets neuwertigen PETFlaschen
und dem Mehrwegkasten, ist das bundesweite Petcycle-System entstanden.
Aufgrund der inzwischen mit über 40 Mio. Mehrwegkästen flächendeckenden Verbreitung des Systems, bedeutet
es für den Getränkefachgroßhandel und den Lebensmittelhandel kurze Wege und deutlich weniger Sortieraufwand beim Leerguthandling.
Der Einsatz des modernsten Clearingverfahrens in der Getränkebranche reguliert die Leergutbalance zwischen Handel und Abfüller und zwischen den Abfüllern.

Arnold Wolters
Arnold Wolters, Geschäftsführer Petcycle: „Maßstab bleibt das Poolkastensystem, das zusammen mit dem Fachgroßhandel auch in Zukunft mit stetigen Optimierungen ein verbrauchergerechtes Angebot darstellen wird.“

Originalgröße
GFGH: Rückblickend: Wo lagen die größten Herausforderungen in den letzten zehn Jahren?

Wolters: Es handelt sich um ein modernes, innovatives Stoffkreislaufsystem, positioniert zwischen dem klassischen Mehrweg- und dem klassischen Einwegsystem.
Hieraus ergibt sich, dass sowohl Mehrwegregeln als auch Einwegvorgaben zu berücksichtigen sind.
Die Herausforderungen lagen in dem Aufbau eines bundesweiten Poolkastensystems, der Einführung des erhöhten Pflichtpfandes, der Rücknahmeverpflichtung des Handels bei Einwegverpackungen und weiteren Auswirkungen der zurückliegenden Verpackungsnovellen.
Diese Herausforderungen hat das System bestanden, indem es weitere
ökologische und ökonomische Anpassungen, aber auch Optimierungen vorgenommen hat.

GFGH: Beschreiben Sie kurz, wie das Einwegrücknahmesystem Petcycle konkret beeinflusst hat.

Wolters: Während die Erhöhung des Pfandwertes im Rahmen des Einwegrücknahmesystems unter Einführung der Pfandpflicht sicherlich für die Abfüller nicht ganz einfach war, ist nunmehr der höhere Pfandsatz akzeptiert und gelernt.
Die Bepfandung als solche ist wichtig, da wir über das Mehrwegkastensystem einen nahezu hundertprozentigen Rücklauf von PET-Flaschen gewährleisten, um so die Materialhoheit für den dann einzuleitenden Stoffkreislauf und das bottle-to-bottle-Recycling behalten. Damit verhindert das System auch das Problem des Litterings.
Gleichzeitig erwartete der Handel bei Einführung des Einwegrücknahmesystems von uns, dass die Abläufe des
Mehrwegkastensystems, die bekanntlich in Deutschland jahrzehntelang praktiziert wurden, in gleicher Weise fortgeführt werden. Sollten sich dennoch einzelne Petcycle-Flaschen im Automaten wiederfinden, werden diese über
das DPG-System pfandmässig reguliert.

GFGH: Erläutern Sie das Petcycle-Clearingkonzept.

Wolters: Das Clearingkonzept, das in Deutschland in dieser Weise wohl einzigartig sein dürfte, verfolgt die Vollgutinputs und Leergutoutputs des Marktes und gleicht Unwuchten beim zurück laufenden Leergut entsprechend aus. Auf die Einrichtung dieses Clearing - verfahrens haben wir von vornherein zusammen mit den teilnehmenden Abfüllern Wert gelegt, um quasi von der Stunde null an auch gegenüber dem Handel die Leergutbalance für das System sicherzustellen.
In stetiger Aktualisierung auch in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut steht Petcycle heute auch für das modernste Clearingkonzept mit entsprechenden Modulen für Einstieg oder gegebenenfalls auch Ausstieg der Systemteilnehmer. Hinzu kommt die Poolkastenausrichtung, die es dem Handel ermöglicht, beim nächstliegenden
Systemteilnehmer das Leergut zurückzuführen.

GFGH: Bei Petcycle handelt es sich um ein Zweiwegsystem. Welche konkreten Vorteile hat das System heute gegenüber dem Einwegsystem?

Wolters: Deutschland ist nach wie vor der mehrwegkastenorientierte Getränkemarkt in Europa, auch wenn sich der Verpackungsfächer in den letzten Jahren deutlich zugunsten von Einweg erweitert hat. Insofern stellt das Petcycle-System gegenüber den klassischen Mehrwegkastensystemen in den Marktabläufen bis auf den veränderten Pfandsatz keinen Unterschied dar. Die Vorteile
der Mehrwegkastensysteme sind insofern das verbraucherorientierte bequeme Handling von Voll- und Leergut, die Konfiguration von Mischkästen auf die individuellen Getränkebedürfnisse und die Bindung von Verbrauchern an den Point of Sale.

GFGH: Wie werden dem Konsumenten die Vorteile des Systems, beispielsweise im Getränkefachmarkt, im heutigen „Verpackungsdschungel“ näher gebracht?
Ist dieser überhaupt noch in der Lage, zwischen dem Ein-, Zwei- und Mehrwegsystem zu differenzieren?


Wolters: Zunächst einmal sind die Vorteile des Mehrwegkastensystems wie oben beschrieben bekannt. Innerhalb der Mehrwegkastensysteme findet der Verbraucher eine klare Kennzeichnung aller Petcycle-Kästen und -Flaschen mit dem System-Logo, dem Pfandhinweis und dem DPG-Kennzeichen auf den Flaschenetiketten. Auf der anderen Seite stehen die klassischen Einweggebinde, die sich meist als Vierer- oder Sechserpack mit Wrap around-Ausstattung eindeutig als Einweg positionieren.
Bei Einzelflaschenangeboten im Regal muss und kann der Verbraucher die Systemausrichtung näher identifizieren.
Hinzu kommt, dass alle Petcycle-Flaschen unverwechselbar mit einem eckigen Neckring ausgestattet sind. In die
allgemein diskutierte Kennzeichnungsverordnungsmöglichkeit haben wir uns auch im Vorfeld schon konstruktiv mit
eingebracht.

9 x 1,0 l
Das Petcyclesystem wird heute von rund 90 Mineralbrunnen in Deutschland genutzt.

GFGH: Wie ist Petcycle heute ökologisch zu bewerten, welche weiteren Ziele werden hier verfolgt?

Wolters: Dieses Stoffkreislaufsystem hat sich im Vergleich mit dem Referenzsystem Glas-Mehrweg nach verschiedenen Ökobilanzuntersuchungen in den letzten zehn Jahren immer weiter positiv entwickelt und ist mit dem Mehrwegsystem vergleichbar. Durch das geringe Gewicht der Flaschen liegen beispielsweise die Feinstaubbelastungen, die vor allem durch den Transport mit Lkws entstehen, sehr niedrig. Durch die Wiederverwendung des recycelten PET-Materials für neue Getränkeflaschen werden die Rohstoffressourcen geschont und die CO2-Emissionen reduziert.
Die ökologischen Eigenschaften des Systems verbessern sich derzeit weiter signifikant. Die Verringerung der Flaschengewichte, die Installation von Energierückführungssystemen bei der Flaschenherstellung und die Inbetriebnahme optimierter Recyclingsysteme werden sich auch in einer aktualisierten Ökobilanz niederschlagen, die derzeit in Vorbereitung ist und bis zum Frühjahr
2010 abgeschlossen sein wird.
GFGH: Inwieweit unterscheidet sich eine Petcycle-Flasche qualitativ von einer nicht diesem System zugehörigen Einwegflasche?

Wolters: Jede Petcycle-Flasche enthält mindestens 50 Prozent recyceltes PET und unterscheidet sich damit von den klassischen PET-Einwegflaschen, die, wenn überhaupt, deutlich geringere Anteile aufweisen.
In der derzeitigen Entwicklung des Petcycle-Systems werden vereinzelt bereits Flaschen mit 60 Prozent recyceltem PET-Material ein gesetzt. Mit nur geringem Gewichtsaufschlag bieten die Flaschen durch moderne Formtechnik dem Verbraucher auch überaus stabile Flaschen.

GFGH: Regionale Kreisläufe schonen die Umwelt und schaffen bzw. erhalten Arbeitsplätze. Wie würden Sie Petcycle unter diesen Gesichtspunkten einstufen?

Wolters: Die ca. 90 Petcycle-Abfüller sind weitestgehend regional tätig und sichern mit dem Mehrwegkastensystem viele Arbeitsplätze in den Regionen, wo die Getränke erhältlich sind.
Mit den angeschlossenen Systemteilnehmern umfasst das System in Deutschland zehntausend Arbeitsplätze und ist vollkommen mittelstandsorientiert.

GFGH: Welche zukünftigen Perspektiven bietet Petcycle mittel- und langfristig für Hersteller und GFGH, welche Zielsetzungen stehen im Vordergrund?

Wolters: Das System bietet heute mit einem Verpackungssystem, das immerhin 40 Prozent aller deutschen Mineralbrunnen nutzen, ein ebenso ökologisch wie ökonomisch mittelstandsfreundliches System. Es entwickelt sich aber weiter und wird durch weitere ökologische Verbesserungen im Sinne weiterer Gewichtseinsparungen im Flaschenbereich als auch Erhöhungen des Recyclateinsatzes bei optimierten Recyclingverfahren zukunftsorientiert abgesichert.
Die ferner auch durch Petcycle entwickelte Etikettiertechnik für Kästen wird dafür sorgen, dass auch der handelsfreundliche Poolkasten in das Marketinginstrumentarium einbezogen wird.
Durch die Flexibilität der Abfüllanlagen können auch die mittelständischen Abfüller sich auf die Verbraucher einstellen,
die klassische Einwegprodukte verlangen.
Maßstab bleibt aber das Poolkastensystem, das zusammen mit dem Fachgroßhandel auch in Zukunft mit stetigen Optimierungen ein verbrauchergerechtes Angebot darstellen wird. Auch wenn im Rahmen eines Dienstleistungszentrums unter dem Dach von Petcycle zukunftsorientiert weitere Services wie die Pfanddienstleistung von Intercycle oder Energie- bzw. Logis tikberatungen durch Logicycle ange boten werden.

GFGH: Herr Wolters, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Download: GFGH_01-10_18-19_Das_Zweiwegsystem_feiert_Geburtstag.pdf pdf

Pressekontakt:

GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL 1/2010